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Spiders – Ihr Biss bedeutet den Tod

Spinneninvasion in Pariser Banlieue

Frankreich 2023    

 Regie: Sébastien Vaniček                       

 Laufzeit: 106 Minuten

 

Handlung: Kaleb lebt in einem runtergekommenen Hochhauskomplex in der Pariser Vorstadt. Statt mit Drogen handelt er mittlerweile mit Sneakers, seine Leidenschaft gilt jedoch den Insekten, die er in verschiedenen Terrarien beherbergt. Eines Tages kauft er in einem „Gemischtwarenladen“ eine aus Afrika stammende Spinne. Dabei handelt es sich allerdings um ein ganz besonderes Exemplar, das schon bald Eier legt. Im Hochhaus geht es bald drunter und drüber.

 

Besprechung: Sébastien Vaniček legt mit seinem Spinnenfilm ein cooles Debüt hin. Der Hochhauskomplex in der Pariser Vorstadt ist ein tolles Setting für die Invasion der Krabbler, und die Banlieue-Charaktere wirken auf mich glaubhaft und sympathisch – auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob der Protagonist seine Insekten artgerecht hält. Auch ist der Protagonist Kaleb (Théo Christine) ein durchaus etwas sperriger Charakter, der mürrisch und dominant auftritt. Allerdings ist seine schlechte Laune durchaus nachvollziehbar: Die Mutter ist gestorben, die Wohnverhältnisse sind beengend, die finanzielle Lage sowieso. Vieles in dem Gebäudekomplex könnte mal eine ordentliche Wartung vertragen, aber es kümmert sich niemand um die Anlage und ihre mit der Armut ringenden Bewohner*innen. Kriminalität ist deswegen für manche eine sinnvolle Option.

Vor allem die erste Hälfte des Films hat mir gefallen, auch wenn sich "Vermines" – so der französische Originaltitel – mit der Spinnenaction erst einmal ordentlich Zeit lässt. In der zweiten Hälfte ist dann zwar deutlich mehr los, jetzt offenbaren sich aber auch stärker als vorher die Schwächen des Films. Die Schauspieler*innen sind okay, aber nicht zwingend gut, vor allem, wenn es um die Darstellung starker Gefühle geht. Auch nerven mich solche Entscheidungen, wie einen Molotow-Cocktail auf Spinnen zu werfen, die dann erst in die Richtung laufen, in die man eigentlich flüchten will. Warum gehen die jungen Leute nicht gleich friedlich ihrer Wege? Und warum müssen an einer Stelle die Geigen eine Minute lang mit den Charakteren um die Wette heulen? Diese Art von Pathos tut dem Film nicht gut.

Überhaupt haben mir die wiederholten Anflüge von Pathos und die Musik nicht so gut gefallen. Französischer Rap: Geschmacksache, aber nichts, was mich wirklich stört. Die plötzlich an- und abschwellende Musik, die auf schon hundert Mal vorher (ab)genutzte Weise Spannung erzeugen will, nervt mich da schon eher. Die Spinnen wiederum sind gut in Szene gesetzt, ich habe schon schlechteres CGI gesehen. Aber für meinen Geschmack hätte der Film ekliger und brutaler sein dürfen. So ist er in dieser Hinsicht nur auf dem Niveau eines "Sting" (2024) und blendet schnell weg, wenn es für den Blutdurstigen interessant werden könnte. Gut fand ich, dass die Polizei hier für die Ghetto-Bewohner eine ganz eigene, gar nicht mal überzeichnete Gefahr darstellt. Das gibt dem gut fotografierten Spinnengrusel etwas Tiefe. Für ein Debüt wirklich ordentlich.

 

Trivia: Sébastien Vaniček soll den nächsten Film aus dem „Evil Dead“-Franchise drehen. Da sollte er dann ein paar Schippen Gemeinheit und Brutalität draufpacken, schließlich hat die Reihe einen Ruf zu verteidigen.

Für den Film wurden 200 Riesenkrabbenspinnen (giant huntsman spiders) verwendet. Laut dem Regisseur können diese faszinierenden Tiere zehn Sekunden lang in erstaunlichem Tempo rennen und sind dann erst einmal erschöpft. Ob eines der Tiere während der Dreharbeiten verletzt wurde oder gestorben ist, konnte ich nicht rausfinden.  

Wer sich fragt, was das für coole Gebäude sind, in denen der Film spielt: Es handelt sich um die Arènes des Picasso im Pariser Vorort Noisy-le-Grand. Entworfen wurden durch den Architekten Manuel Núñez Yanowsky. Gebaut wurde das Ensemble zwischen 1977 und 1985.  

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd-Rating: 3.3 von 5                                                                                                      

Neft-Rating: 3 von 5

 

 

 

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