KI-Gruselfilm, der sein Potenzial nicht ausschöpft

• USA 2022
• Regie: Gerard Johnston
• Laufzeit: 102 Minuten
Handlung: Die Eltern der neunjährigen Cady sterben bei einem Autounfall. Ihre Tante Gemma übernimmt das Sorgerecht. Gemma ist Spezialistin auf dem Gebiet der Robotik und künstlichen Intelligenz. Mit der neuen Mutterrolle hat sie nicht viel am Hut, aber sie kann der kleinen Cady einen neuen Prototyp ihrer Forschung als Freundin und Ersatzmutter anbieten: M3GAN (Model 3 Generative Android)! Das freundliche Robotermädchen ist mit einer KI ausgestattet, lernt schnell dazu und liest die Gefühlszustände ihrer menschlichen Gegenüber genau aus. Alles läuft super für Cady und Gemma. Aber wie wir alle wissen, hat wissenschaftliche Neuerung im Horrorfilm immer eine Schattenseite.
Besprechung: Es ist undankbar einen Film zu besprechen, dem man keine großen Mängel nachsagen kann, der aber trotzdem nicht so richtig zündet. „M3GAN“ ist ansprechend gefilmt und solide geschauspielert. Violet McGraw macht ihre Sache als neunjährige Cady, die den Verlust der Eltern erlitten hat, wirklich gut. Und Allison Williams als Gemma wirkt glaubhaft unmütterlich und eher verkopft als herzlich. Die anderen Figuren – zum Beispiel der cholerische Firmenboss, die angestrengte Psychologin oder die leicht verwahrloste Nachbarin – sind wie in einer Satire angelegt, also leicht überzeichnet und eher eindimensional. Richtig lustig wird es dabei aber nicht, was schade ist, denn das Potenzial hätte der Film gehabt. Mit anderer Figurenzeichnung und anderen Akzentuierungen hätte der Film auch emotional aufwühlend sein können. Aber auch diese Möglichkeit wird nicht genutzt. So kommt ein solide geschriebener und gefilmter Film heraus, der weder sein satirisches, noch sein verstörendes Potenzial nutzt und horrortechnisch recht harmlos daherkommt. In den USA ist der Film ab 13 Jahren freigegeben. Das ist für die Horrorfilme der Produktionsfirma Blumhouse nicht untypisch, bedeutet mehr potentielle Kundschaft an der Kinokasse, aber auch ein zahmes Vorgehen, das Horrorfans nicht so rundum befriedigt. Die Horrorelemente im Film reichen gerade aus, um einen halbwegs aufregenden Trailer zu bestücken.
Was den Film in meinen Augen dennoch etwas über das Mittelmaß hebt, ist M3GAN selbst. Der Roboter ist toll gestaltet, hat ein ganz eigenes Charisma und kommt mit stylischen Kostümen und Frisuren daher, was richtig Spaß macht. Ob absurde Gesangseinlagen, Dance-Moves, plötzliches Auftauchen aus dem Nichts oder die Fahrt mit einem fetten Sportwagen – wenn M3GAN in Aktion ist, hat der Film seine stärksten Momente. Und auch, wenn die Auseinandersetzung mit dem Thema KI weder tiefsinnig noch die Entwicklung des Films überraschend ist: Durch die überzeugende Roboterfigur kann man sich als Zuschauer zumindest ein wenig mit den ambivalenten Gefühlen befassen, die die Technisierung unseres Alltags sowie unseres Welt- und Menschenbildes mit sich bringt.
Trivia: Regisseur Gerard Johnston war für die Produzenten die richtige Wahl, weil er bereits sowohl eine Sitcom („The Jaquie Brown Diaries“) als auch einen Horrorfilm („Housebound“) gedreht hatte. Man versprach sich davon ein gutes Gespür für die humoristischen und die unheimlichen Aspekte des Stoffs.
In den Szenen, in denen sie sich nicht bewegen muss, ist M3GAN jeweils eine von zwei animatronischen Puppen, die für den Film von Adrien Morot und Kathy Tse vom Morot FX Studio angefertigt wurden. In den anderen Szenen wird sie von Amie Donald gespielt, einer zehnjährigen Tänzerin, die obendrein den braunen Gürtel in Karate hat. Amie Donald wurde zufällig entdeckt und trägt mit ihren körperlichen Fertigkeiten maßgeblich zu den Qualitäten von „M3GAN“.
Einmal spielt M3GAN den Hit „Toy Soldiers“ (Martika 1988) auf dem Piano.
Bei einem Budget von 12 Millionen Dollar spielte der Film über 180 Millionen Dollar ein. Eine Fortsetzung kommt noch dieses Jahr.
Einen Teil des Erfolges verdankt „M3GAN“ queeren Menschen, die den stylishen Roboter zur Ikone erklärten. In den sozialen Medien gingen entsprechende Postings und Videos viral. Mehr dazu kann man hier nachlesen.
IMDB: 6.3 von 10
Letterboxd-Rating: 2.7 von 5
Neft-Rating: 3 von 5
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