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Evil Dead Trap

Bunt gemischte Horrortüte aus Japan 

 Japan 1988    

 Regie: Toshiharu Ikeda                        

 Laufzeit: 100 Minuten

 

Handlung: Einer Talkshow-Moderatorin wird ein verstörendes Video zugeschickt. Ist das, was sie da sieht tatsächlich ein Mord? Mit dem Ehrgeiz die Quote ihrer Sendung zu verbessern, macht sich die junge Frau mit einem kleinen Team zu einem verlassenen Fabrikkomplex auf. Von dort scheint das mutmaßliche Snuff-Video nämlich zu stammen. Natürlich sind die neugierigen Spürnasen nicht allein auf dem Gelände.

 

Besprechung: Japan hat eine lange eigenständige Tradition an Geistergeschichten und auch entsprechende Gruselklassiker wie „Onibaba“, „Kuroneko“ oder „Kwaidan“ hervorgebracht. Gleichzeitig hat man sich in Japan auch immer dafür interessiert, was andernorts so an Horror und Spuk inszeniert wird. So benennt sich „Evil Dead Trap“ nach dem sehr erfolgreichen Low-Budget-Hit „The Evil Dead“ (1981), hat aber mit dem kaum etwas gemein. Vielmehr standen hier amerikanische Slasher der 1980er und obendrein die Lovecraft-Adaptionen eines Stuart Gordon und Brian Yuzna Pate. Also in etwa „The Funhouse“ meets „From Beyond“. Obendrein gibt es starke Einflüsse des italienischen Giallo. Vor allem der Synthie-Score erinnert sehr an das, was die Band Goblin für einige Filme von Dario Argento beigesteuert hat. Aber auch die satt inszenierten Primärfarben lassen an Klassiker wie „Suspiria“ (1977) denken und Connaisseure mit der Zunge schnalzen. Und um den Nerd-Sack zuzumachen, obwohl noch mehr hineingehört hätte: Auch an Filme von Lucio Fulci fühlt man sich bei manchem Close-up erinnert. Ikeda zollt all diesen unterschiedlichen Vorbildern auf seine eigene verspielte Weise Tribut, und das ist erst einmal etwas Gutes.

 

Der Film beginnt auch durchaus vielversprechend. Das eingeschickte Video ist wirklich verstörend und das Team setzt sich schnell in Bewegung. Zack sind wir auf dem Fabrikgelände, das ein cooles Setting abgibt. Hier stolpern die Charaktere recht ziel- und achtlos herum, und wirken dabei weder besonders schlau noch besonders interessant oder liebenswert. Nun gibt es immer wieder gute Kameraeinstellungen, die erwähnten Szenenbilder aus Primärfarben und einige Kills, die von guten praktischen Spezialeffekten profitieren, aber richtig reingekommen bin ich in den Film nach dem starken Auftakt nicht mehr. Vielmehr haben mich zwei Vergewaltigungsszenen noch zusätzlich rausgebracht. Die eine ist offensichtlich, sehr unangenehm und auch ziemlich lang. Das ist diese verstörende Form von „Entertainment“, wie man sie aus den Cat III Filmen kennt. Mindestens genauso übel fand ich jedoch eine Szene davor, in der eine Frau mit einem Mann, der sie ständig bedrängt, schließlich „leidenschaftlichen“ Sex hat. Die Frau sagt immer wieder „nein“, der Typ lässt nicht locker, drängt sich ihr richtig auf, und auf einmal ändert die Frau ihre Meinung. Diese Idee, dass Frauen, die „nein“ sagen, eigentlich „vielleicht“ oder „ja“ meinen und nur ein bisschen zu ihrem Glück gezwungen werden müssen, ist leider eine beliebte Rechtfertigung für Nötiger und Vergewaltiger und obendrein ein wiederkehrendes Stereotyp aus japanischen Anime. Auch wenn 1988 das Bewusstsein auch in der westlichen Welt noch ein anderes war: Sympathisch macht das den Film nicht.

 

In der Mitte schleichen sich dann Längen ein. Es wird viel geredet und herumgelaufen. Ein Mysterium deutet sich an, das mich nicht interessiert hat, weil es beliebig und absurd wirkt. Und absurd ist dann auch das Finale des Films. Das mag man überraschend, mutig und angenehm verspielt finden – ich fand es eher unausgegoren und nervig. Möglich, dass ich in anderer Tagesform und mit dem Wissen um die Vergewaltigungsszenen, dem Film mehr abgewinnen könnte, schließlich ist er für nicht wenige J-Horrorfans „Kult“. Aber ich vermute: So richtig warm werde ich mit „Evil Dead Trap“ nicht werden.   

 

Trivia: Es gibt eine Fortsetzung namens Evil Dead Trap 2 aus dem Jahr 1992, die ich allerdings nicht gesehen habe. Auch existiert ein 1993 gedrehter Film von Toshiharu Ikeda, der international als „Evil Dead Trap 3: Broken Love Killer“ vermarktet wurde, aber nichts mit den beiden anderen Filmen zu tun hat. Auch diesen habe ich nicht gesehen.

 

Regisseur Ikeda begann seine Karriere mit pinku-Filmen, also Sexstreifen. Im engeren Sinne zählten seine frühen Filme zum „Roman Prono“-Genre. Unter dem Label wurden in Japan plotstärkere Erotik- und Sexfilme mit höherem Budget gedreht.  

 

Trotz der zahlreichen Referenzen, die Fans in „Evil Dead Trap“ entdecken, behauptete Ikeda in einem Interview, dass er Horrorfilme hasse und weder „The Evil Dead“ noch irgendwas von Argento gesehen habe. Ja, er habe sich noch nicht einmal seinen eigenen Horrorfilm je angesehen.

 

Die Spezialeffekte machte Shinichi Wakasa, der später für die Monsterkostüme in einigen Godzilla-Filmen verantwortlich zeichnete.     

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd-Rating: 3.4 von 5                                                                                                      

Neft-Rating: 2 von 5

 

 

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