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Grotesque

Japanischer Folterfilm

 Japan 2009    

 Regie: Kōji Shiraishi                         

 Laufzeit: 73 Minuten

 

Handlung: Verrückter Arzt entführt junges Liebespaar und foltert es im Keller seines Hauses zu Tode. Dazu läuft Vivaldi. Keine Pointe.

 

Besprechung: Unter Cinephilen ist es schon fast ein Klischee, dass im gesitteten Japan ganz ungeniert besonders abartige Filme gedreht werden. Grotesque – oder Gurotesuku wie er auf Japanisch heißt – ist eines der bekannteren und jüngeren Beispiele für japanische Folterfilme, die nur eine dünne Story haben und ihre Grausamkeiten sexualisieren. Menschen, die mainstreamnahe Unterhaltungsprodukte wie „Hostel“ für unerträglichen „Torture Porn“ halten, müssen sich jetzt nicht unbedingt die ungeschnittene Grotesque-DVD aus Holland oder Österreich bestellen. Hier sind wir in dem filmischen Abgrund, in den fast jeder Horrorfan einmal gerät. Die einen sahen zufällig beim Hamburger Filmfest den ungeschnittenen „A Serbian Film“, die anderen gerieten durch gestörte Nachbarsjungen an die Kotz-Metzel-Filme des psychisch kranken Kriminellen „Lucifer Valentin“ oder sahen in einer Mischung aus Gruppendruck und jugendlichem Übermut Filme aus der Guinea Pig Reihe. Ist es Neugier, Sensationslust, machistischer Abhärtungswille, selbstdestruktives Verhalten, Perversion? Das muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Die Mehrheit ist gut beraten, sich dieses seltsame Kammerspiel nicht aufs Gemüt zu packen, zumal es auch nicht einmal besonders spannend ist. Interessant ist eher, sich aus sicherem Abstand in die drei Charaktere des kurzen Films hineinzuversetzen. Auch die Frage, was den wohlhabenden Bildungsbürger antreibt, und die Verhaltensweisen des Liebespaares sind für neugierige Geister eventuell inspirierend. Die Inszenierung ist trocken und, abgesehen vom etwas albern wirkenden Ende, ziemlich konsequent und sicher. In seinem Metier ein solider Vertreter.

 

P.S.: An alle, die es extrem pervers finden, solche Filme zu gucken, aber Pornos schauen: Bei euren Bumsfilmchen ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass ihr Zeuge realen (Selbst-)Missbrauchs und von Gewalt gegen psychisch Kranke auf Drogen werdet. Mein Motto: Love Horror – hate Mainstream-Porn (and true crime).   

 

Trivia: In liberalen Ländern wie Norwegen oder Großbritannien ist es illegal, den Film zu verkaufen oder zu zeigen. In Japan ist der Film einer von zweien, der mit einer Altersfreigabe von 20 in die Kinos kam. Der andere Film war „A Serbian Film“.

 

In Deutschland ist der Film auf der Liste B indiziert. Dabei handelt es sich um eine theoretisch öffentlich einsehbare Liste der Trägermedien mit absolutem Verbreitungsverbot. Filme auf der Liste B gelten nicht nur als jugendgefährdend, sondern ihre Inhalte auch als möglicherweise strafrechtlich relevant. Mehr dazu hier. 

 

Kōji Shiraishi hat auch eine Reihe „seriöser“ Horrorfilme gemacht. Der bekannteste darunter ist „Noroi“, aber auch etwa „Craved – The slit mouthed woman“ und „Sadako vs. Kayako“ sind unter Horrorfans über Japan hinaus bekannt.    

 

IMDB: 4.7 von 10

Letterboxd-Rating: 2.7 von 5                                                                                                      

Neft-Rating: 2.5 von 5

 

 

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