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Tödliches Spiel – Would You Rather?

Fieses B-Movie mit derber Sozialkritik

• USA 2012    

 Regie: David Guy Levy                         

 Laufzeit: 93 Minuten

 

Handlung: Iris lebt allein mit ihrem jüngeren Bruder, der an Leukämie leidet und eine Knochenmarkspende benötigt. Als sie einen Job nicht bekommt und dringend Geld braucht, lässt sie sich auf das Angebot des vermögenden Mister Lambrick ein: ein Abendessen mit mehreren Gästen und anschließendem Spiel. Wenn Iris gewinnt, soll die Wohltätigkeitsstiftung der Familie Lambrick für sämtliche Kosten von Iris und ihrem Bruder aufkommen und verspricht obendrein, die Wartelisten für eine Knochenmarkspende zu umgehen. Als Iris in einem Landhaus der Lambricks ankommt, warten dort sieben andere Menschen auf sie, die alle ein üppiges Almosen gut gebrauchen könnten. Wie man sich schon denken kann, ist Lambrick ein komplettes Arschloch. Er, sein selbstzufriedener Sohn und die Dienerschaft inszenieren einen denkwürdigen Abend. 

 

Besprechung: „Would You Rather?“ ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man kein großes Budget und keine Top-Schauspieler*innen braucht, um einen guten Film zu drehen. Was man braucht, ist ein ordentliches Drehbuch. Hier wird eine geradlinige Geschichte konsequent erzählt. Die Figuren werden greifbar, die Motivationen sind stimmig, und spannend ist das Ganze auch. Die Sozialkritik, die der Film enthält, ist nicht subtiler als in späteren Filmen wie „Snowpiercer“ (2014) oder „Der Schacht“ (2019), aber zumindest bei mir sorgt sie dafür, Revolutionsgedanken zu hegen. Das dürfte auch an Horror-Veteran Jeffry Combs liegen, der den vermeintlichen Philanthropen Lambrick wirklich denkwürdig ekelhaft spielt, wobei Lambricks Sohn Julian (Robin Lord Taylor) nicht minder widerlich auftritt. Auch Jonathan Coyne als Diener trägt dazu bei, dass man die Bedrohung im Film spüren kann. 

 

Die Entscheidungsspiele im Stile des amerikanischen Partypspiels „Would you rather?“ sind fesselnd, da es dabei auch um moralische Haltungen und das eigene Weltbild geht. So kann man als Zuschauer überlegen, wie man selbst agieren würde, was wiederum das beklemmende Gefühl des Films verstärkt. Viel Blut fließt nicht, dennoch ist der Film ziemlich brutal. Ähnlich wie bei einem Film wie „Funny Games“ werden hier keine wilden Splattereffekte benötigt, um den Film wirklich hart zu machen. Und ähnlich wie bei Funny Games trägt das größtenteils auf einen Raum reduzierte Setting zur ungemütlichen Atmosphäre bei. 

 

Nennenswerte Schauwerte hat der Film nicht zu bieten und der mehr an ein Drama als einen Horrorfilm oder Thriller erinnernde Score ist bestenfalls zweckdienlich. Ein cineastisches Meisterwerk darf man bei „Would you rather?“ also nicht erwarten. Aber ein dreckiges kleines B-Movie, das mit einer guten Hauptdarstellerin (Brittany Snow) und ordentlich geschriebenen und gespielten Nebenfiguren durchaus Eindruck hinterlässt. Dabei ist der Film nicht gruselig oder unheimlich, passt aber dennoch zum Genre Horrorfilm, das auch für das Beklemmende, Verstörende und Krasse steht.   

 

Trivia: Als Iris das Wohnzimmer betritt läuft der Song „Midnight, the Stars and You“ von Al Bowlly, der auch in der Endsequenz von „The Shining“ verwendet wird. 

 

Jeffry Combs, der Horrorfans aus Filmen wie „Re-Animator“, „From Beyond“ oder „Castle Freak“ bekannt ist, wurde für seine Rolle als Shepard Lambrick bei den Fright Meter Awards als bester Schauspieler nominiert. 

 

Sasha Grey, die einen Gast der Dinnerparty spielt, wurde als Pornostar bekannt und spielte zwischen 2006 und 2011 in 270 Pornofilmen mit, bevor sie sich anderen Film-Genres zuwandte.  

 

IMDB: 5.7 von 10

Letterboxd-Rating: 2.6 von 5                                                                                                      

Neft-Rating: 3.5 von 5

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Steffelowski (Donnerstag, 19 Dezember 2024 09:45)

    Das klingt alles sehr interessant. Danke. Damit wurde meine Weihnachts-Wunschliste um eine Position erweitert�

  • #2

    Anselm (Donnerstag, 19 Dezember 2024 13:23)

    Das freut mich. Ein Party- oder Weihnachtsfilm ist das allerdings nicht. Aber das hast du ja schon herauslesen können.

  • #3

    Anselm (Donnerstag, 19 Dezember 2024 23:02)

    Was steht denn noch auf deiner Wunschliste?