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In a Violent Nature

Experimentierfreudiger Slasher

 Kanada 2024    

 Regie: Chris Nash                         

 Laufzeit: 94 Minuten

 

Handlung: Junge Menschen treiben sich im Grünen herum, erkunden einen alten Feuerwachturm und finden ein Medaillon. Besser wär’s gewesen, sie hätten es nicht mitgenommen. Denn nun steigt eine Leiche aus dem Grab und macht Jagd auf sie.

 

Besprechung: Dieser kleine Independent-Streifen war wohl der Underground-Hype des Jahres 2024. Wer anhand der Handlungsskizze vermutet, dass die Story nicht das Zentrale an „In a Violent Nature“ ist, liegt natürlich richtig. Sie liefert lediglich den Anlass für eine Reihe von brutalen Tötungen und ungewöhnlich langsam inszenierten Zwischensequenzen. In diesen folgen wir dem Untoten durch die Wälder. Eine ungewohnte Perspektive für einen Slasherfilm, eine typische Perspektive für viele Computerspiele. Und so habe ich mich beim Schauen des Films auch immer wieder gefühlt: Als ob ich ein Computerspiel angucke, das nicht ich spiele, sondern jemand anders. Dazu passt, dass der Killer im Laufe seiner quest items findet und anwendet: hier einen Haken, da eine Axt, und schließlich auch eine kleidsame Feuerwehrmaske. 

 

Ist das Kunst oder kann das weg? Weder noch. Es ist der Versuch, einen recht konventionellen Metzelfilm einmal stilistisch anders aufzuziehen. Dazu gehört auch der Verzicht auf Filmmusik. Alles, was wir hören, sind Naturgeräusche oder Klänge, die von Geräten im Film abgespielt werden, zum Beispiel einem Autoradio. Und wie gesagt: Manche Sequenzen sind sehr lang. Zum Beispiel die, in der der untote Mörder einen Mann in einer Art Sägewerk in Seelenruhe zurechtlegt, um ihm erst einen Arm und dann den Kopf abzutrennen. Wo wir bei den kills sind: Die sind deftig und meist richtig gut gemacht. In einer Szene, in der jemand eigentlich nur etwas Yoga machen wollte, erreicht der Film gar Terrifier-Niveau.

 

Leider hapert es in meinen Augen an zwei wichtigen Dingen. Erstens: Die jungen Menschen sind nicht interessant oder gar sympathisch. Ich fürchte nicht um sie und nicht mit ihnen. Stattdessen frage ich mich, ob in den USA oder Kanada tatsächlich junge Leute so aggressiv miteinander umgehen, ständig alles sexualisieren und sich gegenseitig fertigmachen. Oder ob das vor allem in Filmen so ist, um irgendwie spritzig oder gar edgy zu sein. Zweitens: Der Killer wirkt wie ein Statist, der mit viel Motivation und wenig Talent durch die Botanik tapert und dabei vom Regisseur immer wieder die Anweisung erhält, sich mehr wie ein Untoter zu bewegen! So haben wir also einerseits Opfer, die nicht interessieren, und andererseits einen Täter, der nicht furchteinflößend ist. Zugutehalten will ich dem Film, dass er in der zweiten Hälfte intensiver wird und der Killer nun manchmal sogar unheimlich wirkt. Auch ist die lange Autofahrt im Finale wirklich auf intelligente Weise spannend. Leider reicht das für mich alles nicht, um „In a Violent Nature“ empfehlen zu können. Es bleibt ein interessanter Versuch mit einigen starken Szenen.   

 

Trivia: Regisseur Nash sagte in einem Interview mit „Point of Review“, dass sie etwa 70 Prozent des Films neudrehen mussten. Ihr „Killer“ war krank geworden, sie mussten die Rolle neu besetzen und konnten das bisher gedrehte Material nicht mehr nutzen, da sich der neue Darsteller einfach nicht gleich bewegte, wie der ausgefallene Maskenmann.

 

Als Einflüsse auf den Stil des Films nennt Chris Nash die Regisseure Gus Van Sant (u.a. „Elephant“) und Terrence Malick (u.a. „Badlands“). 

 

Lauren-Marie Taylor (die „Vicky“ aus Freitag der 13. Teil II) hat eine kleine Rolle in dem Film. 

 

Ein zweiter Teil für den ziemlich erfolgreichen Indie-Film ist bereits angekündigt. Mal sehen ob Chris Nash und Crew die Schwächen des ersten Teils dann vermeiden.  

 

IMDB: 5.6 von 10

Letterboxd-Rating: 2.8 von 5                                                                                                      

Neft-Rating: 2 von 5

 

 

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