· 

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast

Nostalgisch stimmender Qualitäts-Slasher

 USA 1997    

 Regie: Jim Gillespie                         

 Laufzeit: 101 Minuten

 

Handlung: 4. Juli im Fischerort Southport: Während die Gemeinde den Unabhängigkeitstag feiert, unternehmen vier Absolvent*innen der High School eine kleine Spritztour. Dabei überfahren sie einen Mann. Um sich die Zukunft nicht zu verbauen, wollen die vier Teenager die Leiche verschwinden lassen und versenken den Körper im Meer. Ein Jahr später macht ein Killer mit einem Fischerhaken Jagd auf die Jugendlichen.

 

Besprechung: Ich liebe die Atmosphäre dieses Films. Der Fischerort mit seinen wilden Küstenstraßen ist ein toller Schauplatz für diese im Kern melancholische Geschichte um den Verlust der Jugend und der Unschuld. Julie (Jennifer Love Hewitt), Helen (Sarah Michelle Gellar), Ray (Freddie Prinze jr.) und Barry (Ryan Phillipe) sind zu Beginn des Films junge ausgelassene Menschen, die sich nach dem Abschluss der Schule auf eine strahlende Zukunft freuen. Helen will eine Schauspielkarriere in New York machen, Ray ebendort studieren, und auch Julie hat Uni-Pläne. Dann aber bauen sie einen Unfall und treffen eine folgenschwere Entscheidung. Julie hat zwar die richtige moralische Intuition und ist dagegen, Fahrerflucht zu begehen oder gar den Mann im Meer zu versenken, aber sie kann sich gegen den betrunken-aggressiven Barry und die Bedenken von Helen und ihrem Freund Ray nicht durchsetzen. Dieser Einstieg fesselt mich jedes Mal aufs Neue: Die Kameraarbeit, die Musik, die so unterschiedlichen Charaktere. Vermutlich wären die vier Jugendlichen nicht befreundet, wenn sie nicht aus so einem kleinen Ort stammen würden. In Folge des vertuschten Unfalls geht dann das Leben der vier den Bach runter. Und als wären gescheiterte Karrierepläne und auf Eis gelegte Beziehungen oder Freundschaften nicht schon schlimm genug, macht ein Jahr später jemand Jagd auf sie, der Zettel mit bedrohlicher Botschaft hinterlässt: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast!“

 

Seinerzeit wurde der Film nicht besonders gut aufgenommen. Zu offensichtlich kam er im Fahrwasser vom mega-erfolgreichen „Scream“ (1996) in die Kinos, dem er in Sachen Tempo, Witz, Spannung und Brutalität nicht das Wasser reichen konnte. Mit Abstand betrachtet, ist das aber ein beachtlicher Slasher mit eigener Note und einem verdammt heißen Teenie-Cast. Jennifer Love Hewitt war vielleicht nie wieder so gut, Buffy-Star Sarah Michelle Cellar liefert sich hier eine beeindruckende Verfolgungsjagd mit dem Killer, Freddie Prinze jr. ist zwar kein begnadeter Schauspieler, sieht aber verdammt gut aus und Ryan Phillipe gibt hier die menschgewordene toxische Männlichkeit in Form eines gut gebauten Blondschopfes.

 

Ja, der Film hat Schwächen. Die Gutgläubigkeit des Publikums wird manchmal arg strapaziert, das Ende passt nicht zum Film und die Hollywoodstreicher sind mir manchmal zu aufdringlich. Aber meine Liebe zu dieser Spät-90er-Perle wird dadurch nur unwesentlich getrübt. Zu sehr erinnert mich der Film atmosphärisch an einen meiner absoluten Lieblingsromane: „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt. Daraus sollte mal jemand eine richtig gute Serie machen!   

 

Trivia: Der Film basiert auf dem 1973 veröffentlichten Roman "I Know What You Did Last Summer" der US-amerikanischen Schriftstellerin Lois Duncan (1934 – 2016). Die Vorlage wurde dabei recht frei genutzt, um einen eher straighten Slasher im Stil der 1980er auf die Leinwand zu bringen. Duncan gefiel die Vorstellung überhaupt nicht, dass aus ihrem Roman ein Horrorfilm gemacht werden sollte. Gerade auch weil ihre jüngste Tochter 1989 durch einen unbekannten Angreifer ermordet worden war, fand sie das Slasher-Genre geschmacklos.

 

Drehbuchautor Kevin Williamson schrieb das Skript zu dem Film, bevor er das Drehbuch für „Scream“ schrieb, bekam es aber nicht verkauft. Erst als „Scream“ so ein großer Erfolg wurde, interessierten sich Produzenten für den Stoff.

 

Gellar und Prinze freundeten sich während der Dreharbeiten an, verliebten sich und heirateten 2002.

 

Die Küstenstraße, auf der der folgenreiche Unfall passiert, ist Filmkennern bereits aus Hitchcocks Die Vögel bekannt.

 

Es gibt zwei Fortsetzungen, die ich beide nicht empfehlen kann.  

 

IMDB: 5.8 von 10

Letterboxd-Rating: 2.9 von 5                                                                                                      

Neft-Rating: 4 von 5

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0